Ur-Berner Zielwurfsport
- Alina Dubach
- 2. Jan.
- 2 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 19. Jan.

Es ist kein Ring, es ist kein Hufeisen, es ist eine Platzge! Einst als Glücksspiel verboten, ist es heute der Start für unsere «Typisch BE»-Rubrik, wo wir in jeder Ausgabe etwas Typisches für den Bundesstadt-Kanton vorstellen.
Text & Fotos: Alina Dubach

Foto: Alina Dubach
Auf dem kleinen Platz direkt am Thunersee im Pfaffenbühl ist es alles andere als warm, als ich mein Auto Ende Dezember durch die schmale Einfahrt buxiere. Kaltes Eisen anfassen – ganz ehrlich, der Gedanke gruselt mir etwas. «Aktuell ist auch nicht Saison», erklärt René Stauffer mit einem Schmunzeln – diese dauert von März bis Oktober. Der Präsident des Schweizerischen Platzgerverbandes macht sich bereit, um für den Artikel einige Würfe zu riskieren. Aufwärmen ist jetzt richtig wichtig.
Die Regeln
In der Zwischenzeit erklärt er mir, wie Platzgen gespielt wird. Aus 17 Meter Entfernung gilt es, mit der «Platzge», eine bis zu drei Kilogramm schwere, gezackte Platte aus Eisen, das «Ries» zu treffen. Einen Pfosten («Schwirren»), der in einem in einen Eisenring gefassten Lehmblock steckt. Berührt die Platzge den Pfosten, gibt es hundert Punkte. Für jeden Zentimeter Entfernung gibt es Punktabzüge. Frauen und über 65-Jährige werfen aus 15 Meter Entfernung – was immer noch eine ordentliche Distanz ist, wie ich beim Selbsttest wenig später feststellen darf. Und möglichst genau Treffen müsste man beziehungsweise frau dann ja auch noch. Was ist der Schlüssel für hervorragende Platzger:innen?
Seltenes Gut ist wichtigste Fähigkeit
«Konzentration», findet René Stauffer. Denn Platzgen ist kein Kraftsport, das Gewicht einer Platzge wird an die Bedürfnisse der Spieler:innen angepasst. Wichtig sei auch, den Bewegungsablauf zu verinnerlichen und vor allem: Nicht zu viel denken, locker bleiben. Was nicht ganz einfach ist. Auf dem Weg vor dem Platz laufen immer wieder Spaziergänger:innen vorbei, überall sind Geräusche. «An einem Wettkampf ist das noch viel ausgeprägter, da laufen Leute auf dem Feld hin und her, Leute lachen, es ist ordentlich was los. Man muss seineGedanken kontrollieren können und den Fokus bewusst aktivieren», so der Platzger mit mehr als 30 Jahren Erfahrung.
Dass eine hohe Konzentration heute nicht mehr selbstverständlich ist, merke er auch beim Platzgen. «Früher wurden die Platzgen genauer geworfen», bestätigt Stauffer mit einem Blick auf die Ranglisten vergangener Jahrzehnte. Ob das an der generellen Konzentrationsfähigkeit liegt oder an der Tatsache, dass Platzgen mittlerweile viel Konkurrenz im Terminkalender seiner Spieler:innen hat, ist eine andere Frage. Doch es ist nicht nur die Ablenkung im Alltag, die dem Berner Sport an den Kragen will.
Mitglieder gesucht
Waren es 2008 noch rund 400 akive Platzger:innen, sind es heute gemäss René Stauffer noch 300. Mitgliederwerbung habe nur bedingt etwas gebracht. Zahlreiche Schnupperevents seien zwar gut besucht worden, hätten jedoch nur minimalen Zulauf gebracht. «Der klassische Eintritt erfolgt meist durch Väter, die ihre Söhne mitbringen, oder wenn Kolleg:innen einfach einmal mitkommen und dann hängen bleiben.» Auf der anderen Seite: Wer einmal mit Platzgen begonnen hat, bleibt meist dabei ...
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