Schweizer Krimis aus Sansibar
- Rebekka Affolter
- 1. Jan. 2026
- 3 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 19. Jan.
Mit einem Bestatter als Vater aufgewachsen, spiegelt sich ihre Faszination für den Tod inzwischen in ihren Büchern wider. Ihre Kriminalromane finden Anklang in der ganzen Schweiz, eine ihrer Geschichten kommt schon bald auf den Bildschirm. Ein Einblick in das Leben und die Arbeit von Christine Brand.
Text: Rebekka Affolter | Fotos: zVg Christine Brand / Lauren Rattray, SRF / Sava Hlavacek

Foto: Lauren Rattray
Bei sonnigem Wetter am Strand sitzen, Drink in der Hand, Laptop aufgeklappt auf dem Schoss, das Klappern der Tastatur vermischt sich mit dem Rauschen der Wellen. Sind die Hände wund vom Geschichten-in-die-Tasten-hauen, braucht das Hirn eine Denkpause oder der Körper eine Abkühlung, ist das erfrischende Nass nicht fern. So sieht aktuell das Leben von Christine Brand aus.
Vom Tod umgeben
Im Jahr 1973 geboren wuchs sie in einem kleinen Dorf im Emmental auf – «als glückliches Kind, umgeben vom Tod». Links von ihnen wohnte der Metzgermeister, rechts der Jäger, ihr Vater war Bestatter. Während für die meisten der Tod in der Kindheit ein Tabu-Thema ist, war Brand beinahe täglich damit konfrontiert. Der Leichenwagen diente gleichzeitig als Familienauto, auch Fahren gelernt hat Brand damit.
Nach der Schule absolvierte sie das Lehrerseminar in Langenthal. In einer Seminar-externen Phase machte sie ein zweimonatiges Praktikum bei der Berner Zeitung, geschrieben hat sie schon immer gern. Während diesem Ausflug in eine andere Branche verliebte sie sich in den Beruf der Journalistin – und in die Gerichtswelt. Den ersten Gerichtsfall, den sie im Publikum live mitverfolgte, war der Mordfall Z. in Kehrsatz. Danach integrierte sie ihr neu gefundenes Interesse in die Arbeit und meldete sich für jeden Gerichtsartikel freiwillig.
Redaktion statt Wandtafel
Entsprechend zog es sie nach dem Studium nicht ins Schulzimmer, sondern hinter die Tastatur. In der gleichen Redaktion erhielt sie einen Volontariatsplatz, bevor sie zu «Der Bund» wechselte. Wo sie fast zehn Jahre lang unter anderem als Gerichtsreporterin arbeitete. Hier lernte sie die Kriminalistik aus den verschiedensten Winkeln kennen: als Zuschauerin bei Gerichtsfällen, als Begleitung der Polizei, in Tatortrekonstruktionen. Diese Erfahrungen fliessen noch heute in ihre Geschichten ein. Und wenn sie mit ihrem eigenen Wissen nicht weiterkommt, ruft sie einfach einen ihrer Kontakte an – «mein Netzwerk ist sehr wichtig für das Schreiben meiner Krimis». Bei ihrem Erstleser handelt es sich um einen Polizisten. Er achtet besonders darauf, dass jegliche Polizeiarbeit realistisch ist. «Die Journalistin in mir hat definitiv den Anspruch, dass meine Geschichten möglichst realitätsnah sind.»
Von Papier zum Bildschirm – und wieder zurück
Bevor Christine Brand anfing, Krimis zu schreiben, wechselte sie zur Rundschau beim SRF. Dort lernte sie das Handwerk der Fernsehjournalistin. Wobei sie stets etwas Wichtiges vermisste: das Schreiben. Um einen Ausgleich zu schaffen, setzte sie sich an ihr erstes Buch: «Schattentaten», ein Kurzgeschichtenband beruhend auf wahren Begebenheiten.
Während sie beim SRF nicht geschrieben hat, sieht Christine Brand noch heute den Einfluss, der das Fernsehen auf ihren Stil hat. «Ich denke und schreibe sehr szenisch», erklärt sie. «Das habe ich vor allem aus meiner Zeit beim Fernsehen mitgenommen.»
Besonders lange blieb sie nicht in der Welt des bewegten Bildes hängen. Nach vier Jahren wechselte sie zur NZZ am Sonntag. Zurück zu Buchstaben und Wörtern. Nebenbei nistete sich das Schreiben von Büchern immer mehr in ihrem Leben ein: Eine Kollegin fragte sie damals, ob sie nicht für eine Krimi-Anthologie eine Kurzgeschichte schreiben könnte. Ihre Antwort: «Ja, ich will.»
Gesagt, geschrieben. Die fiktive Geschichte bereitete ihr dabei so viel Spass, dass sie ihre Kollegin fragte, ob sie nicht gleich ein ganzes Buch schreiben könnte. Worauf diese nicht gerade mit «Ja, ich will» antwortete, aber zumindest mit einem ermunternden «Mach doch mal». Neben ihrer Arbeit als Journalistin schrieb Christine Brand also von nun an Bücher als Hobby …
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