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«Ein Teller Pasta in guter Gesellschaft ist gesünder als ein perfekter Salat allein»

  • 14. Mai
  • 3 Min. Lesezeit

In der Schule lernen wir, wie wir uns vermeintlich gesund ­ernähren. Was dabei vergessen geht: Auch die Mitesser:innen machen die Fütterungszeiten aus. Welche Auswirkungen das ­gemeinsame Essen auf unser Leben hat – insbesondere auf die Entwicklung von Kindern.


Text: Rebekka Affolter | Fotos: Alina Dubach, zVg / Ellin Anderegg | Illustrationen: Anna Portmann


Foto: Alina Dubach


Jede:r muss essen, am besten dreimal täglich, möglichst gesund. Kochen, essen, die Küche wieder sauber machen – das alles nimmt viel Zeit in Anspruch. Die wir nicht immer haben. Auch meine Mahlzeiten fallen oft dazwischen, werden vor dem Laptop, während des Schreibens einer Mail oder beim Reels schauen verzehrt.

Dabei zeigen zahlreiche Studien: Essen in Gesellschaft bringt eine Reihe positiver Effekte mit sich. Beispielsweise berichten Familien, die häufiger gemeinsam essen, von mehr positiven emotionalen Interaktionen, schreibt netdoktor.ch. Und zwar für die Kinder, wie die Erwachsenen. Familienessen stärken die Kommunikation, fördern die Empathie und führen zu leichteren Konfliktlösungen. Wichtig ist, dass am Esstisch eine gute Atmosphäre herrscht und sich jede:r einbringen kann. Das vorhergehende gemeinsame Kochen kann das Erlebnis stärken.

An dieser Stelle wichtig anzumerken: Korrelation ist nicht Kausalität. Während verschiedene Forscher:innen gemeinsame Mahlzeiten mit positiven Effekten in Verbindung bringen, muss das eine nicht zwangsweise zum anderen führen. Familien, die oft gemeinsam essen, verbringen wahrscheinlich auch sonst viel qualitative Zeit miteinander.


Die Theorie in der Praxis

Trotzdem: Das gemeinsame Einfinden am Esstisch ist sehr positiv. «Als Psychologin – und Mutter von zwei Kindern – sage ich gern: Am Küchentisch wird mehr geheilt als geredet», sagt Nicole Berchtold. Sie moderiert seit fünf Jahren das Finale der Landfrauenküche – die SRF-Sendung, bei der sich alles ums Kochen und gemeinsame Essen dreht. «Die Landfrauenküche ist ein super Beispiel in diesem Kontext», meint Berchtold. «Sie zeigt, wie viel rund ums Essen passiert.» Das Kochen ist der Grund, warum alle dabei sind – in der Sendung stehen aber die Geschichten, das Leben auf den Höfen, die Menschen dahinter im Zentrum. «Wenn Menschen zusammenkommen, essen, erzählen, lachen und zurückschauen, dann ist diese zwischenmenschliche Verbindung sofort da.»

«Küchentisch-Liebe», nennt Berchtold das. Sie entsteht immer, wenn sich eine Gruppe Menschen an einem Tisch zu einem Mahl einfindet. «Man isst, redet, lacht – und plötzlich erzählen die Kinder doch noch, wie ihr Tag war. Oder man merkt selbst, dass der Stress langsam nachlässt.» Dieses Zusammensitzen ohne grosses Programm gibt Halt und ein Gefühl von Zugehörigkeit. Etwas, das besonders für die Entwicklung von Kindern wichtig ist. «Durch gemeinsame Familienmahlzeiten entwickeln Kinder ganz selbstverständlich ein entspanntes Verhältnis zum Essen», erklärt Berchtold. Schwierig werde es nur, wenn die Stimmung kippt und der Tisch zum Schauplatz von Druck oder Diskussionen wird. Sprich, wenn die Essenszeit ihre Leichtigkeit verliert.


Die Ernährung in der Kinderbetreuung

Mit diesem Thema beschäftigt sich auch Thea Rytz von der Fachstelle PEP – Prävention Essstörungen Praxisnah. Sie leitet das Angebot «Gemeinsam Essen». Damit fördert die Fachstelle eine achtsame und stimmige Esskultur im pädagogischen Alltag von familienergänzenden Tagesstrukturen. Sie organisieren Teamweiterbildungen für Tagesschulen, Horte, Mittagstische, Kinderheime oder Kindertagesstätten. «Wir versuchen, mit den Betreuungspersonen eine Haltung aufzubauen, wie sie zum Thema gemeinsames Essen stehen und wie sie damit in ihrer Betreuung umgehen», erklärt Rytz.

Dabei gehe es nicht darum, den Teams vorzuschreiben, wie sie ihre Mahlzeiten mit den Kindern zu gestalten haben.



Du findest den vollständigen Artikel in der gedruckten Zweitausgabe unseres Magazins «Aareluft, Mai 2026».


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