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Ein Lied über die Trauer

  • 28. Aug.
  • 2 Min. Lesezeit

Eigentlich lautet das Schweizer Kinderlied «darf i nid es bitzeli luschtig sii» und ist eine Aufforderung zu Fröhlichkeit und ­Freude. Aber ich möchte hier ein Lied über die Trauer anstimmen. Ja, sogar ein Plädoyer für die Trauer: «Darf i nid es bitzeli truurig sii!» Denn wir haben verlernt, Trauer zu leben und auszuhalten. Höchste Zeit, dies wieder zu lernen.


Text: Rachel Honegger | Fotos: Rachel Honegger, Alina Dubach | Illustrationen: Anna Portmann


Foto: Alina Dubach


Trauer ist ein schwieriges Gefühl, keine Frage. Aber Trauer ist genau so grossartig. Sie ist unsere Fähigkeit, einem Verlust körperlich und seelisch Ausdruck zu verleihen. Der verstorbene Autor und Trauerforscher Jorgos Canacakis sagt über die Trauer: «Sie ist eine anspruchsvolle Dame. Sie will gesehen, gehört und verstanden werden.» Seine deutsche Kollegin Chris Paul meint: «Trauer ist die Lösung, nicht das Problem.»

Und dennoch ist Trauer oft das noch grössere Tabu als der Tod. Die Begegnung mit dem Tod zieht vorüber, geht vorbei. Was bleibt, ist die Trauer. Einige Jahre lang habe ich ein konfessionsneutrales Trauercafé in Thun geleitet. Das dominierende und immer wiederkehrende Thema der Teilnehmenden war die Unfähigkeit des Umfeldes, mit den Trauernden umzugehen. Ihre Trauer auszuhalten. Als Trauerbegleiterin ist eine meiner wichtigsten Botschaften: Trösten bedeutet nicht wegmachen. Trösten bedeutet: Da sein, zusammen weinen, zusammen schweigen, lachen usw. und vor allem zusammen aushalten. Wer kennt nicht die Szenen, wenn ein Kind hinfällt und die Erwachsenen versuchen, die Tränen so schnell wie möglich zum Versiegen zu bringen, mit Sätzen wie «Es ist nicht so schlimm» oder «Häsch s’Müüsli gfange?».

Verliert ein Kind einen Ballon oder fällt sein Eis zu Boden – es ist immer wieder das gleiche Spiel. Wir lenken ab, wir verharmlosen. Anstatt das Gefühl zu benennen und die Realität des Kindes anzuerkennen. «Das tut jetzt weh. Das macht dich traurig.» Eine Umarmung, ein Mitfühlen. So würden Kinder von klein auf lernen, schwierige Gefühle auszuhalten. Aber dafür müssten auch wir Erwachsenen fähig sein, die Ohnmacht auszuhalten, die Tatsache, dass wir nichts tun können, ausser für das Gegenüber da zu sein. Das ist ganz schön schwierig, ganz schön komplex.


Trauer ist ein bunter Blumenstrauss verschiedenster Gefühle

Dabei hätte die Trauer es verdient, sich in ihrer Fülle zeigen zu dürfen. Denn sie ist so viel mehr als nur Traurigkeit: von Verzweiflung, über Wut, Freude, Dankbarkeit, bis hin zu Einsamkeit, Leere, nicht selten auch Erleichterung, Humor, Angst, Sehnsucht, Wehmut und vor allem: Liebe.

Diese Vielfalt an Gefühlen und die Tatsache, dass die einzelnen Gefühle oft nicht …




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