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Für jeden ge­schlossenen Kreislauf beginnt ein Neuer

  • 28. Aug.
  • 3 Min. Lesezeit

Es ist schwer, sich im Brockenhaus Luup im Berner Lorraine-Quartier satt zu sehen. Ein junges Team aus «Mitdenkenden» ­verwandelt hier in der ehemaligen Trödelecke ausrangierte Wertstoffe in begehrte Secondhand-Schätze. Zwischen Designer­möbeln, menschlichen Begegnungen und Glace zeigt das ­Projekt, wie sich Nachhaltigkeit wirtschaftlich rentabel und sozial ­verbindend ­gestalten lässt.


Text&Fotos: Miriam Schwarz | Illustrationen: Anna Portmann


Foto: Miriam Schwarz


Es ist ein heisser Sommertag in Bern. Die Luft flirrt über den Strassen der Lorraine, und wer es sich einrichten kann, hat sich längst an die Aare zurückgezogen. Der Weg in die Badi lockt stärker als der Gedanke an einen Bummel durch Regale mit Gebrauchtem. Doch wer denkt, ein Brocki-Besuch könne an einem solchen Tag nicht ebenso erfrischend sein wie ein Sprung ins kühle Nass, der täuscht sich – denn gleich beim Eingang von der Luup wartet eine willkommene Abkühlung: eine leckere Glace der Gelateria di Berna. Schnell wird klar: Luup ist kein gewöhnliches Brockenhaus.


Mehr als ein zweiter Lebenszyklus

Das Team hat 2025 die Räumlichkeiten der ehemaligen Trödelecke an der Lorrainestrasse 14 übernommen und während drei Wochen ausgeräumt und wieder neu eingeräumt, eine «sehr arbeitsintensive, aber auch sehr spannende und coole Zeit», erzählt Leonie Huss, Marketingverantwortliche und Mitdenkerin bei Luup. Auch heute noch steht das Team in gutem Kontakt mit dem ehemaligen Besitzer und der kunstvolle Schriftzug über dem Eingang erinnert nach wie vor an die Trödelecke.

Die charmante, unkonventionelle Brocki ist das Ergebnis langjähriger Erfahrung in der Entsorgungsbranche. Der Name selbst ist Programm: «Luup» deutet auf einen Kreislauf hin, der hier physisch erlebbar wird. Die Luup ist ein junges Projekt der Schwendimann AG und der Brings AG – zwei Schwergewichte der Berner Recyclinglandschaft. Während die Schwendimann AG seit über 90 Jahren für Abfallbewirtschaftung und Logistik steht und die Brings AG seit 20 Jahren Ressourcen schont, entstand aus der gemeinsamen Praxis eine neue Erkenntnis. «Das Thema Nachhaltigkeit auf den klassischen Entsorgungshöfen umzusetzen, war immer schwierig», erklärt Leonie Huss. Der Arbeitsalltag auf den Entsorgungshöfen zeigte ein deutliches Bild: «Was da alles landet, ist grenzenlos.» Viel zu oft endeten Dinge im Container, die noch ein langes Leben vor sich gehabt hätten. Luup ändert diese Dynamik. «Alles, was du hier findest, kommt direkt von den Entsorgungshöfen», so Huss.


Brockenhausmagie spürbar machen

«Wir machen kein Geheimnis daraus, von wo wir die Ware haben», betont Huss. Diese Direktheit schafft Vertrauen und zeigt den Kunden konkret, wie Kreislaufwirtschaft funktioniert. Das Team, das sich nicht als Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, sondern als Mitdenkerinnen und Mitdenker versteht, hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Ware nicht als Abfall, sondern als potenziellen Schatz zu betrachten. Sie nehmen alles an, was irgendwie brauchbar ist – von Möbeln über Dekoration bis hin zu Spielwaren.

Besonders beliebt sind Möbelstücke. Freischwinger-Stühle, Chrom-Möbel im Bauhaus-Stil oder echte Designerstücke wechseln hier den oder die Besitzer:in. Doch auch kleinere Dinge finden schnell ein neues Zuhause: Kinderspielsachen, Bilder, Schmuck oder Sonnenbrillen laden zu Spontankäufen ein. Der Laden selbst ist dabei stets «Work in Progress», wie Leonie Huss schmunzelnd anmerkt. «Es sieht immer aus wie eine neue Brocki, wenn umgeräumt wird.» Diese Dynamik spiegelt den Charakter des Ortes wider, der sich ständig neu erfindet, genau wie die Objekte, die hier verkauft werden. Sie alle…




Du findest den vollständigen Artikel in der gedruckten Drittausgabe unseres Magazins «Aareluft, August 2026».


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