Analog statt digital – ein altes Handwerk in modernen Zeiten
- vor 2 Tagen
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Tausend Fotos auf dem Handy oder zwölf mit der Analogkamera? Für Valentino Portmann ist die Antwort einfach. Seit zehn Jahren spaziert er mit den verschiedensten Fotoapparaten durch die Weltgeschichte. Und bringt die Schnappschüsse auch selbst aufs Papier.
Text: Rebekka Affolter | Fotos: Jonas Cosandey, Michael Ammann, Rebekka Affolter | Illustrationen: Anna Portmann

Bewusst wahrnehmen, fokussieren, abdrücken. Foto: Jonas Cosandey
«Jetzt nehme ich den Film aus der Büchse», erklärt Valentino, während ich stur vor mich in die Dunkelheit starre. Ich warte darauf, dass sich meine Augen an die Dunkelheit gewöhnen, ich zumindest langsam die Umrisse um mich herum erkennen kann. Das geht allerdings nur, wenn sich doch irgendwo ein bisschen Licht auftreiben lässt. Was dem Ziel einer Dunkelkammer widersprechen würde: Hier findet nicht einmal der kleinste Lichtstrahl einen Weg hinein.
«Ich schneide die Enden ab und stecke den Anfang auf die Spule», erzählt Valentino weiter. Ich kann genau vor mir sehen, was er macht. Immerhin hat er mir fünf Minuten vorher gezeigt, wie das Aufspulen eines Films aussieht. Natürlich mit einem nicht mehr benötigten Film, bei dem es keine Rolle mehr spielt, ob er dem Licht ausgesetzt ist oder nicht.
Ein altes Handwerk
Das Entwickeln eines Filmes ist eine Kunst, die geübt sein will. Valentino hat sein Handwerk im Verlauf der letzten zehn Jahre perfektioniert. Das Hobby entdeckte er mehr durch Zufall. «Jemand in meinem Bekanntenkreis ist gestorben, der eine alte Leica-Kamera hatte. Ich habe die nach seinem Tod übernommen. Zuerst, um sie in einer Vitrine auszustellen, dann habe ich doch angefangen, damit Fotos zu machen.» Bis ihm jemand in einem Fotoladen sagte, wie wertvoll die Kamera sei und dass er sie doch besser verkaufen und sich ein digitales System zulegen solle. Etwas, das für Valentino nicht in Frage kam. Stattdessen behielt er seine Kamera und kaufte sich eine etwas neuere Leica – noch immer analog. «Ich bin Informatiker und sitze sowieso schon den ganzen Tag vor einem Bildschirm», erklärt er. Er will nicht in seiner Freizeit auch noch Bilder auf dem Computer bearbeiten, sondern sie viel lieber in der Dunkelkammer selbst entwickeln. Die geerbte Leica befindet sich noch heute in seinem Besitz – sicher verwahrt in der Vitrine.
Sein Beruf ist allerdings nicht der einzige Grund, weshalb Valentino analoges Fotografieren mag: «Ich finde sehr cool, wie ich bei dieser Art der Fotografie den Menschen direkt ein Foto in die Hand drücken kann, statt es ihnen nur auf dem kleinen Handy-Bildschirm zu zeigen.» Am liebsten fotografiert er Porträts – mit Freund:innen und Familie, er ist aber auch stets auf der Suche nach «Models» («die besten Leute sind die, die denken, dass sie nicht geeignet sind») – aber auch zum Reisen hat er seine Kamera(s) stets dabei. Alle analog selbstverständlich. «Vor kurzem gewann ich einen Fotowettbewerb. Der Preis war eine digitale Kamera. Ich bin damit direkt in den Laden gegangen und habe sie gegen eine …
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