Dorfidylle in der Stadt Bern
- vor 2 Tagen
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Ein Quartier wie jedes andere und gleichzeitig eben doch nicht. Im Berner Weissenstein hat die Eisenbahnwohngenossenschaft (EBG) eine ihrer Siedlungen. Wir durften bei Claudia Salvisberg und ihrem Sohn Diego hinter die Tore blicken.
Text&Fotos: Alina Dubach

Foto: Alina Dubach
Häuschen um Häuschen reihen sich hier, nur zehn Minuten vom Bahnhof Bern entfernt, aneinander. Je nach Strasse bietet sich ein wunderbarer Weitblick über die Stadt. So auch aus dem Küchenfenster von Claudia Salvisberg. Sie lebt mit ihrem Sohn Diego seit 16 Jahren hier. Schon davor hat sie in einer Wohnung der EBG gelebt.
«Ich habe hier sehr viel selbst gemacht», erklärt die 44-Jährige. Als Coiffeuse ist ihr Kreativität und Ästhetik ohnehin ein Anliegen und im eigenen Zuhause «will ich es schön haben». Auf den ersten Blick ist das auch nicht schwierig in diesem Häuschen, Baujahr 1919. Vor der Haustür ranken sich Weinreben die Fassade empor. Der Garten hat – wie jedes der Reiheneinfamilienhäuser in der Weissensteinsiedlung – einen Apfelbaum zu bieten, Claudia hat ihn ausserdem mit einem Pizzaofen ergänzt. Gestalten dürfen die Mieter:innen ihr Grundstück selbst – innerhalb von klaren Regeln. So ist etwa zubetonieren nicht erlaubt. Ein Streifzug durch die Strassen der Wohnbaugenossenschaft zeigt, dass die Bewohner:innen den gesteckten Rahmen voll ausnutzen. Kein Garten wirkt gleich, überall finden sich liebevolle Details, in manchen Gärten herrscht etwas mehr die Natur als in anderen. Das System scheint für genug Einheit zu sorgen, dass sich alle wohlfühlen können.
Wohnraum für alle
Die Siedlung im Weissenstein ist die erste, die die EBG 1919 baute. Damals war sie eine Pionierin in Sachen gemeinnützigem Wohnbau, wie die EBG auf ihrer Website schreibt. Als Bern Mitte des 19. Jahrhunderts ans Bahnnetz angeschlossen wurde, verdreifachte sich die Wohnbevölkerung zwischen 1860 und 1910 beinahe. Der erste Weltkrieg führte zu steigenden Mietzinsen. Darunter litten besonders die Armutsbetroffenen, aber auch Arbeiter:innen mit Ausbildung, die zur unteren Mittelschicht gehörten. Bund, Kantone und viele Städte begannen, aktive Wohnbauförderung zu betreiben und subventionierten genossenschaftlichen Wohnungsbau. In Bern formte sich die EBG. Gepäckarbeiter bis zu Beamten in der SBB-Generaldirektion unterschrieben bei der Gründungsveranstaltung. Das Ziel in Kürze: Wohnraum für alle.
Zusammenleben
Heute, über 100 Jahre später, ist die Siedlung Weissenstein noch immer in erster Linie ein Familienquartier mit 213 Reiheneinfamilienhäusern mit drei bis sieben Zimmern und eigenen Gärten. Mitten im Quartier befindet sich ein historischer Bau, am Hauensteinweg 14, der 2018 saniert wurde und seitdem 14 altersgerechten Wohnungen, dem EBG-Zentrum und der Geschäftsstelle derselben Platz bietet.
Das Zusammenleben hier ist laut Claudia Salvisberg vor allem von der grossen Hilfsbereitschaft geprägt: «Es gibt viele …
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