Eine faire Welt für alle
- 14. Mai
- 2 Min. Lesezeit
Avocados aus Zentralamerika, Reis aus Asien, Zitronen aus Afrika – heute bekommen Konsument:innen alles von überall her. Grossunternehmen produzieren in Drittweltländern, meist zum Leidwesen der Menschen vor Ort. Wer dem als Einzelperson entgegenwirken will, kauft Fair Trade.
Text: Rebekka Affolter | Fotos: Cristina Stadler | Illustrationen: Anna Portmann

Foto: Rebekka Affolter
Made in China, made in India, made in Kambodscha – das steht heute auf unseren Kleidern, unseren Spielzeugen, unseren Haushaltsgeräten. Dass die Menschen in Entwicklungsländern – und Zweitweltländern wie China – diese Produkte oft unter untragbaren Bedingungen produzieren, ist bekannt. Trotzdem haben Fair-Trade-Läden einen schweren Stand.
Was ist Fairer Handel?
Swiss Fair Trade, der Branchenverband der Fair-Trade-Organisationen in der Schweiz, definiert wie folgt: eine Handelspartnerschaft, die auf Dialog, Transparenz und Respekt beruht. Dieser kontrollierte Handel strebt nach mehr Gerechtigkeit im internationalen Markt. Die Vision nach Swiss Fair Trade: Eine Welt, in der die Produzent:innen und Kleinbauernfamilien durch ihre Arbeit eine menschenwürdige Existenz aufbauen und selbst über ihre Zukunft entscheiden können.
«Der Faire Handel ist aus dem globalen Süden entstanden», erklärt der Dachverband auf Anfrage. «Er definiert sich aber vor allem über eine Haltung der Wertschätzung gegenüber den Produzierenden.» Dies gelte für alle Produkte – national und international. Denn: Während faire Bedingungen im globalen Süden berechtigterweise oft im Fokus stehen, ist es auch wichtig, national fair zu konsumieren. Mit dem Einkauf in Hofläden und auf Wochenmärkten können Konsument:innen dafür sorgen, dass der Erlös ohne Abzüge bei den Bauern ankommt, so der Verband. Fairness und Regionalität werden verbunden. Internationale faire Produkte sind in den verschiedensten Läden zu finden – auf einen davon kommen wir gleich.
Zudem sei die Unterstützung der Fair Trade Towns sehr wichtig. Ein internationales Programm, dass bereits in mehr als 2000 Städten in über 30 Ländern läuft. In der Schweiz gibt es derzeit 21 anerkannte Towns. Das Projekt will den nachhaltigen Konsum und die globale Verantwortung in Schweizer Städten und Gemeinden fördern. So können diese gemeinsam mit ihren Bürger:innen eine Vorreiterrolle im Bereich globale Nachhaltigkeit einnehmen, schreibt Swiss Fair Trade auf ihrer Website.
Der faire Konsum in Bern
Eine, die seit Jahren im Gebiet des Fairen Handels arbeitet, ist Kathrina Keller. Die gelernte Drogistin HF wollte eigentlich eine eigene Drogerie eröffnen. «Als Zwischenstelle bewarb ich mich im Weltladen Bern», erinnert sich die 62-Jährige. Drei Jahrzehnte später und sie ist immer noch dort. «Eigentlich wollte ich höchstens ein Jahr machen. Die sinnvollen Produkte, die sinnstiftende Arbeit – es hat mich einfach gepackt.» Im letzten Jahr konnte sie mit dem Weltladen das 50. Jubiläum feiern.
Fairer Handel bedeutet für sie und den Weltladen: «Eine Beziehung auf Augenhöhe.» Als Geschäftsführerin liegen ihr lange und nachhaltige Beziehungen mit ihren Lieferant:innen sehr am Herzen. «Wir wollen helfen, an den verschiedensten Orten Projekte aufzubauen, von denen die Menschen leben können.» Dazu gehört auch eine medizinische Versorgung, Weiterbildung in Lesen und Schreiben sowie Kinderhütedienste. «Faire Arbeitszeiten sind auch immer ein wichtiges Thema.»
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