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Das Pilz-Sammeln und Social Media

  • vor 2 Tagen
  • 2 Min. Lesezeit

Ein Tag im Wald, der Blick stets auf den Boden gerichtet, immer auf der Suche nach dem nächsten Fund. Auf den sozialen Medien kursieren zahlreiche Kurzvideos über das Pilzesammeln, in denen das «Pilzlen» leicht aussieht. Gefahren und ökologische Zusammenhänge werden in diesen nicht oder nur knapp thematisiert. Was es bei diesem Hobby zu beachten gilt und warum Pilze für die Natur wichtig sind.


Text: Mirjam Münger | Fotos: Alina Dubach, Michael Ammann | Illustrationen: Anna Portmann


Auch nach der Konsultation verschiedener Expert:innen konnte dieser Pilz per Bild nicht eindeutig bestimmt werden. Bestätigt hingegen hat sich dadurch, dass das Pilzlen gelernt sein will und eine definitive Bestimmung nur mit viel Wissen und mit dem Pilz in der Hand gemacht werden kann. Foto: Michael Ammann


In einem Video streift ein Mann zielstrebig und leichtfüssig durch das Labyrinth der Bäume. Ein Körbchen baumelt an seiner Hand. Eine männliche Stimme ist zu vernehmen: «Willkommen im Wald. Heute nehme ich euch mit auf die Suche nach einem der begehrtesten Speisepilze: der Morchel.»

Der Pilzsammler kniet nieder. Sein Gesicht erscheint in Nahaufnahme, seine Augen gebannt auf etwas fixiert, während er sagt: «Morcheln tarnen sich unglaublich gut. Sie verschwinden zwischen Laub, Ästen und Moos.» Dann schwenkt die Kamera zum Teppich aus Dunkelgrün. Ein Pilz reckt sich stolz in die Höhe, sein Hut dunkelbraun und wabenartig. Zack – der Mann hält die Morchel in der Hand und lächelt breit.

Ungefähr so präsentieren sich die Filmaufnahmen auf den Internetplattformen wie YouTube, TikTok oder Instagram: Kurz, knackig und meistens mit einem Highlight. Die Länge der meisten Videos variiert mit der Dauer von unter 60 Sekunden bis etwa drei Minuten. Rar sind jene, die über eine Stunde dauern. Der Grossteil dieser Videos enthalten Such- und Fund-Szenen.


Der Schein trügt

«Mit vielen Videos wird ein unvollständiges Bild vermittelt», lautet Daniel Zengers Fazit, ein Experte für Pilze. Das «Pilzle» werde romantisiert. «Diese Videoaufnahmen zeigen vor allem die schönen Seiten des Pilzesammelns: Der Pilz wird schnell gefunden, die Wälder sind schön und Fundorte attraktiv», erklärt Zenger, der als kleiner Junge mit seinem Grossvater oft auf die Pilz-Pirsch ging und durch ihn die Leidenschaft für die Fungi entdeckte. Seit neun Jahren gibt er seine Expertise in Pilzkursen weiter.

In Realität gebe es manchmal Stunden, in denen man nichts findet, so der Experte. Für die Morchelsuche beispielsweise verbringe er viel Zeit ohne oder mit nur wenigen Funden. Im Herbst gestaltet sich die Suche meist etwas erfolgreicher, da dann viele Pilzarten häufiger und leichter zu finden sind. Die Pilze wachsen jedoch nicht überall gleichmässig. Daher müssen die Fundorte über Jahre entdeckt und beobachtet werden. Das Zeitfenster für bestimmte Pilzarten ist oftmals kurz. Hinzu komme, dass ihr Vorkommen vom Wetter und den Temperaturen abhängt.


Vereinfachung auf Kosten von Informationen

Bedenklich findet der Kursleiter, dass in etlichen Kurzvideos das Pilzesuchen als einfach dargestellt wird. Denn: «Die Pilzkunde ist ein Erfahrungswissen. Zahlreiche Merkmale eines Pilzes kennen Sammler:innen erst, wenn sie sie mehrfach selber gesehen, gerochen und verglichen haben.» Dabei ist es sehr wichtig, die Entwicklungsstadien der jeweiligen Pilze sowie die giftigen und ungiftigen Verwechslungspartner zu kennen. «Videos können die praktische Erfahrung nicht ersetzen. Man muss …




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