«Auch wenn es uns gehört, sind wir nur Gast in so einem Haus»
- 14. Mai
- 2 Min. Lesezeit
Alte Gebäude haben nicht nur Charme, sie sind auch aus einem anderen Material gemacht als moderne Bauten. Ein besonders schönes Beispiel ist die Villa Beata in Spiez. Der Architekt Gabriel Müller weiss um die Vorteile und Herausforderungen, die solch ein denkmalgeschütztes Haus mit sich bringt.
Text: Alina Dubach | Fotos: Alina Dubach, zVg | Illustration: Anna Portmann

Foto: Alina Dubach
Im Jahr 1905 begann mit dem Blutsonntag die russische Revolution, Albert Einstein veröffentlichte seine spezielle Relativitätstheorie, Jules Verne verstarb und Bertha von Suttner erhielt als erste Frau den Friedensnobelpreis. Fernab all dieser Geschehnisse, im kleinen Spiez am Thunersee, wurde die Villa Horisberger vom Postverwalter Fritz Horisberger an der Krattigstrasse erbaut. 1935 kaufte der katholische Kultusverein Thun das Haus. Bis 1973 wurde es als katholisches Pfarrhaus genutzt. 1974 bezog die Familie Blötzer das Haus. 50 Jahre später traten Therese Bärtschi und Adrian Marti in das Leben der Villa.
Zu diesem Zeitpunkt wartete sie schon eine geraume Zeit auf neue Bewohner:innen. Sie war vernachlässigt, ihr Schicksal ungewiss. Deshalb zogen Bärtschi und Marti Gabriel Müller hinzu. Als Architekt, der sich auf Bauen im Bestand – nutzen was schon da ist, statt abreissen und neu bauen – spezialisiert hat, kennt er sich mit Häusern aus, die schon bessere Tage gesehen haben, deren Substanz jedoch die Zeit überdauert.
Ein Haus mit Seele
«Dieses Haus hat auf uns gewartet», erklärt Gabriel Müller. Er sitzt heute in der Wohnung im ersten Stock, die er nach dem gelungenen Umbau für sich und seine Familie gemietet hat. «Da war vom ersten Moment an diese Faszination, wie man sie nur hat, wenn man ein Haus betritt, das eine Geschichte hat. Ein Neubau hat diese Seele nicht.»
Bevor er sich eingehend mit den versteckten Schätzen der Villa beschäftigen konnte, mussten die Fakten geklärt werden: Substanz, Brandschutz und Denkmalschutz. Da kam einiges zusammen. «Auch unglaubliches Potential. Wir ahnten schon, was alles im Haus noch vorhanden sein könnte. Das Drumherum mit dem Garten war ebenfalls sehr vielversprechend», erinnert sich Müller. Rückblickend meint er zudem, dass die Zusammenarbeit mit der kantonalen Denkmalschutzpflege sehr gut und konstruktiv war.
Für den Architekten, der eigentlich im Thurgau lebt, war es kein leichtes Projekt. Ihm fehlten die Kontakte vor Ort. «Für einen solchen Umbau braucht man ein Team, das ein Haus dieser Art versteht. Das erhalten und gestalten will und die Extrameile dafür gerne geht.»
Ein Beispiel dafür seien die Dachziegel der Villa. Originalziegel von 1905, Glockentaler-Maschinenziegel mit Einfachfalz – nicht mehr erhältlich. «Doch dank dem Engagement von Therese Bärtschi, die das ganze Berner Oberland nach verbliebenen Beständen absuchte, konnten wir die Ziegel ersetzen, die nicht mehr zu brauchen waren. Das Dach wurde vorsichtig abgedeckt und die Ziegel von der ganzen Familie einzeln von Hand geputzt und gewaschen. Anschliessend deckte der Dachdecker das inzwischen gut isolierte Dach wieder mit diesen intakten Ziegeln ein.»
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